Suizidgefährdung im Jugendalter

Selbstmord bei Kindern und Jugendlichen ist ein tabuisiertes Thema in unserer Gesellschaft. Tatsache ist, dass sie bei jungen Menschen die zweit- bis dritthäufigste Todesursache ist.
Fachleute schätzen, dass die Zahl der Selbstmordversuche bei Jugendlichen zwanzig- bis dreißigmal höher ist als die der vollendeten Selbstmorde.
Das Jugendalter ist eine Zeit des Umbruchs, der großen Veränderungen, der Unsicherheit. Der Jugendliche muss sich neu orientieren, eine neue Identität entwickeln. Die Anforderungen der Umwelt an ihn werden größer. Wenn in diesem Lebensabschnitt wichtige Beziehungen gestört sind, kann ein Jugendlicher in eine lebensbedrohliche Krise geraten. Konflikte zu Hause oder im Freundeskreis, Tod eines nahen Angehörigen, Trennung oder Gewalt in der Familie, zerbrochene Freundschaften, Liebeskummer, schlechte Zensuren oder Probleme in der Schule gehen oft einem Selbstmordversuch voraus.

Alarmzeichen gibt es immer

Der Jugendliche sendet meist direkt oder indirekt Botschaften, dass es ihm schlecht geht und er nicht mehr weiter weiß. Diese Zeichen sind aber nicht immer leicht zu lesen und oft auch widersprüchlich. Es kann der Brief an eine Freundin sein, worin angedeutet wird, dass er nicht mehr kann, oder auch der Rückzug von Freunden, das Verschenken von Sachen, die ihm lieb sind.

Deutliche Signale werden oft nicht beachtet

Wenn ein Jugendlicher von seinen Ängsten erzählt oder ausspricht, dass er nicht mehr leben mag, geht sein Umfeld oft nicht darauf ein. Entweder traut man sich nicht, offen darüber zu sprechen, oder glaubt, dem Jugendlichen durch Schweigen zu helfen. Mitunter ist es aber auch nicht leicht, mit einem verzweifelten Jugendlichen Kontakt aufzunehmen. Der Jugendliche ist sehr sensibel und verletzbar und reagiert schnell abweisend. In allen Fällen ist das Ergebnis für den Jugendlichen dasselbe: Er kann sich nicht verständlich machen, er fühlt sich in seinen Ängsten und Nöten nicht ernst genommen.

So will ich nicht mehr leben


In diesem Dilemma erscheint manchen Jugendlichen ein Selbstmordversuch als einzige Lösung. Der junge Mensch will die für ihn zerstörerischen Lebensumstände ändern; weil ihm dieses nicht gelingt, geht er statt dessen mit sich selbst zerstörerisch um und versucht, sich das Leben zu nehmen. "Ich will nicht mehr leben" bedeutet zugleich: "So wie es jetzt ist, kann ich nicht mehr leben; ich möchte, dass sich was in meinem Leben ändert."
In dieser Situation brauchen Jugendliche Hilfe von Fachleuten.