Gewalt in der Familie

Kinder vor Gewalt, insbesondere im familialen Nahraum, zu schützen ist, ist eine zentrale Aufgabe der Jugendhilfe.

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist gesellschaftlich geächtet, aber dennoch alltägliche Realität. Sie findet im familialen Nahraum statt und ist häufig kein einmaliges Ereignis. Die Formen der Gewalt sind vielfältig; das Spektrum reicht von der kräftigen Ohrfeige bis zur lebensbedrohlichen Misshandlung, von Beschimpfungen bis zum Einsperren mit Nahrungsentzug, vom Stimulieren der kindlichen Genitalien bis zum Geschlechtsverkehr.
Physische, psychische und sexuelle Gewalt ist für Kinder und Jugendliche eine traumatisierende Erfahrung, insbesondere weil die Gewalt von Personen ausgeht, von denen die Kinder und Jugendlichen abhängig sind und die sie lieben. Durch die körperlichen Übergriffe und Demütigungen erleben sie sich in ihrer ganzen Person abgelehnt. Sie sehen sich als nicht liebenswert an, geben sich die Schuld an dem Übergriff. Die Kinder und Jugendlichen sind in ihrem Selbstwertgefühl erschüttert, was ihre weitere Entwicklung beeinträchtigt.
Kinder und Jugendliche, die Gewalt im familialen Umfeld erlebt haben, fallen auf, weil sie sich entweder sehr zurückziehen und schlecht Kontakt zu anderen finden oder sich bedroht fühlen und schnell aggressiv werden.

Auch die Eltern und Bezugspersonen, die gegenüber ihrem Kind oder Jugendlichen gewalttätig geworden sind, lehnen in der Regel Gewalt ab. Sie fühlen sich hilflos und ohnmächtig, erleben ihre Kinder als bedrohlich oder haben den Eindruck, keinen Kontakt zu ihrem Kind zu bekommen. Die Generationsgrenzen sind verwischt. Der Übergriff kann daher verstanden werden als hilfloser Versuch mit einander in Kontakt zu kommen. Gewalt ist in diesem Zusammenhang der Ausdruck einer tiefgreifenden Beziehungsstörung zwischen Eltern und Kindern.
Die Familien haben häufig wenig Unterstützung von Freunden und Verwandten, sie leben eher isoliert. Auch den Angeboten der Jugendhilfe stehen sie eher skeptisch gegenüber. Obwohl sie sich Hilfe wünschen, fühlen sie sich gleichzeitig durch die Hilfe bedroht.

Ein erster Schritt zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt kann eine vorübergehende Unterbringung in Form einer Inobhutnahme durch die SozialarbeiterInnen des Jugendamtes sein. Damit ist einer weiteren Gefährdung vorgebeugt. Längerfristig gilt es, Möglichkeiten zu finden, die Beziehungsstörung zwischen Eltern und Kindern zu bearbeiten. Dazu bedarf es eines spezialisierten Angebotes an Beratung und Therapie für Eltern und Kinder.