Sucht und psychische Erkrankung bei Jugendlichen

  • Sucht und psychische Erkrankung (Doppeldiagnose) als eine Form von Komorbidität beschreibt eine Störung, innerhalb derer zwei Krankheitsbilder zu einem verschmolzen sind.
  • Eine Hierarchisierung in Primär- und Sekundärerkrankung ist nicht möglich.
  • Die Behandlung nur einer Seite des Störungsbildes zeigt keine Erfolge.

Eine Disposition zu beiden Seiten der Erkrankung ist bei unserem Klientel immer vorhanden.
Ob die Suchtproblematik oder die psychische Erkrankung zuerst in Erscheinung trat, spielt für die Notwendigkeit der gemeinsamen Behandlung beider Phänomene keine Rolle.
Sobald sich die Sucht, als Ausdruck einer vorhandenen psychischen Problematik, als eigenständiges Problem entwickelt hat, ist sie nicht zweitrangig, sondern gekoppelt wirksam. Die Sucht wirkt wiederum auf die psychische Problematik verstärkend zurück.
Ist das Suchtproblem der Auslöser für schwere psychische Störungen, so bestehen diese auch nach Absetzen des Suchtmittels weiter und bedürfen der Behandlung.
(Im Unterschied zu den drogeninduzierten Psychosen, die nach Beendigung von exzessivem Drogenkonsum wieder abklingen)

Der Verlust des seelischen Gleichgewichts der betroffenen jungen Menschen zeigt sich auf der „psychischen Seite“ in

  1. psychotischen Phänomenen (starke Angstentwicklung, Verfolgungswahn, Antriebs- und Interessensverlust)
  2. depressiven Reaktionen (Rückzugs- und Selbstentwertungstendenzen, Stimmungstiefs, Selbstmordgedanken)
  3. Persönlichkeitsentwicklungsstörungen (unangemessene Aggressivität, soziale Auffälligkeiten und Anpassungsschwierigkeiten).

Auf der „Suchtseite“ zeigt sich dieser Verlust in

  1. einem nicht altersgemäß normalen Konsum (Probierverhalten), sondern im Missbrauch von Drogen, die als „primärer Organisator und Regulator“ von Identität, Wohlbefinden und Selbstachtung dienen
  2. einer meist über Selbstmedikationsversuche hinausgehenden Affinität zu Suchtstoffen

Häufig erschweren fämiliäre Konstellationen (Überforderung Alleinerziehender; Fehlen von väterlicher Präsenz; Trennungskonflikte; Erkrankung, Sucht und psychische Probleme der Eltern) das Bewältigen pubertärer Entwicklungsaufgaben.
Aufgrund ihres lebensgeschichtlichen Hintergrunds brauchen die Jugendlichen einen sicheren, strukturierenden Rahmen mit intensivem Kontakt- und Beziehungsangebot, damit sie nachreifen und Entwicklungsverzögerungen aufholen können.